The Goldfinger Files

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Das Buch ist in Englisch. Eine Broschüre mit deutschem Text wird beigelegt.

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Beschreibung

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DOKUMENTARISCHES DAUMENKINO

 

Dreharbeiten unter den Umständen, wie sie im Juli 1964 für das dritte James-Bond-Abenteuer «Goldfinger» im Schweizer Urserental vorherrschten, wären heute für eine Produktion von dieser Dimension schlicht undenkbar. Man stelle sich vor: EON Productions würde einen Bond-Dreh in einem Schweizer Tourismus-Gebiet planen. Die Region würde kollektiv in Schnappatmung verfallen. Während Wochen – wie 2015, als das österreichische Sölden Drehort für «Spectre» war. Nicht so in Andermatt im Jahr 1964. Ein Großteil der lokalen Bevölkerung interessierte sich nicht im geringsten für den Dreh. Kaum einer kannte die Filmfigur James Bond. Kaum ein Hotel wollte die Filmcrew bei sich beherbergen.

 

Auch die hochprofessionelle Produktionsgesellschaft EON ging, gemessen an heutigen Standards, eher unverkrampft ans Werk. Sie rekrutierte kurzfristig und vor Ort Hilfskräfte aus der Bevölkerung oder engagierte zufällig anwesende Personen. Wichtige Teile der Versorgungskette wurden so praktisch ad hoc organisiert.

 

Das Schweizer Pressebüro von United Artists hingegen leistete ganze Arbeit. An jedem der sieben Drehtage waren dutzende von Journalisten und Fotografen vor Ort. Nicht etwa nur an den praktisch täglich anberaumten Pressekonferenzen, sondern dauernd. Und mitten auf dem Filmset. Die Reporter konnten sich zu jeder Zeit und nach Belieben mit Schauspielern, Regie und Produktionsteam unterhalten, sie nach ihrer Befindlichkeit befragen und alles ablichten, was ihnen vor die Linse kam.

 

Dann die Dinner. Oder besser: Die Après-Dinner. Den Whisky als Digestif gab es an der Bar des Hotels Bergidyll in Andermatt damals nur doppelt. Das war vor allem den jungen und junggebliebenen Männern, Schauspielern, Crew-Mitgliedern, Musikern, Journalisten oder den anwesenden Gästen gerade recht. Abend für Abend wurde ausgiebig gebechert und gezecht, keiner wollte ins Bett – zuletzt Sean Connery.

 

Unter diesen Umständen entstand ein Meisterwerk der Populärkultur: «Goldfinger». Für viele immer noch der Bond-Film schlechthin. Es sind auch genau diese Umstände, welche das vorliegende Buch haben entstehen lassen. Der ganze Dreh war weitestgehend nicht abgeschirmt, fand in aller Öffentlichkeit statt, konnte von Journalisten nach Belieben begangen und dokumentiert werden. Das Hotelpersonal oder lokale Hilfskräfte waren quasi Teil der Filmcrew, zufällig anwesende Touristen mischten sich unter sie.

 

Wir haben in Foto- und Presse-Archiven gegraben, mit damaligen Journalisten und PR-Leuten gesprochen, mit Involvierten telefoniert, dutzende Interviews geführt. Am Schluss der Recherchen hatten wir so viele Fotografien, Storys und Anekdoten, Dokumente zusammengetragen, dass wir ein zwar noch wenig strukturiertes, aber insgesamt umfassendes Bild der acht Tage vom 5. bis 12 Juli 1964 vor uns hatten.

 

Das Buch versteht sich als Bildband. Im Zentrum steht deshalb das Bildmaterial. Die Schweizer Fotografen Hans Gerber von der Comet-Photo AG Zürich, Josef Ritler von der damals noch jungen Boulevard-Zeitung «Blick» und der deutsche Filmjournalist Erich Kocian sind besonders zu erwähnen. Alle drei zusammen decken mit ihrer fotografischen Arbeit praktisch die ganzen acht Tage ab. Die Autoren haben oft darauf verzichtet, zusammenhängende Bildserien auf eine bestimmte Auswahl zu reduzieren. Der Blickwinkel der Fotografen, die Mimik und die Bewegungen der Fotografierten sollen in ihrer Dynamik dargestellt werden. Dann die Privataufnahmen. Arthur Dänzer und Heinrich Holzhauser, beide Hotelangestellte in der Unterkunft der Filmcrew, haben mit ihren Privatkameras dutzende Erinnerungsbilder geschossen oder zusammengetragen und uns zur Verfügung gestellt. Als mündliche Quellen möchten wir die Chefin des Hotels Bergidyll Madeleine Fryberg, den für die Dreharbeiten verantwortlichen Arzt Dr. Heinrich Stäbler sowie die Journalistin Gisela Blau hervorheben. Stäbler ist es zu verdanken, dass die Call-Sheets erhalten geblieben sind, denn sie haben ihn tief beeindruckt: «Wie ein Tagesbefehl der Schweizer Armee!» Und schließlich stand uns das Original-Drehbuch zur Verfügung – ein persönliches Geschenk des Goldfinger-Regisseurs Guy Hamilton an einen der Autoren sowie Auszüge aus seinem persönlichen Tagebuch.

 

Dann galt es, das ganze Material in eine chronologische Struktur zu bringen. Die Wochentage sowie die jeweiligen Tageszeiten mussten mit den Bildern, die Bilder mit den Anekdoten und dies alles wiederum mit den gedrehten Filmszenen synchronisiert werden. Hier waren die Call-Sheets als primäres Raster zentral. Dann das Drehbuch mit den nummerierten Szenen. Der Rest war Detektivarbeit: Topographie, Wetter, Schattenwurf, Uhrzeit auf den Armbanduhren, Kleidung der Personen, Erzählung der Zeitzeugen – all das half uns, das gesammelte Material zu ordnen.

 

Am Schluss dieser aufwändigen, aber spannenden Arbeit lag das Resultat dann vor uns. Ein dokumentarisches Daumenkino der Dreharbeiten zu «Goldfinger» in der Schweiz: DIE GOLDFINGER FILES